12. Mai 2014

12. Mai: Tag der Pflegenden

ZQP-Bevölkerungsbefragung zum Thema Demenz: Bundesbürger befürworten mehr Geld zur Entlastung von pflegenden Angehörigen

Berlin, 12. Mai 2014. Die pflegerische Versorgung von demenziell erkrankten Menschen führt einen Großteil der Pflegenden immer wieder an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Besonders für viele pflegende Angehörige gehören Phasen der Überlastung zum Alltag. 70 Prozent der Deutschen sind daher der Meinung, dass mehr Geld zur Entlastung pflegender Angehöriger von demenziell Erkrankten bereitgestellt werden sollte, wie eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) herausfand. „Dies zeigt, dass klar erkannt wird, welche enormen Belastungen die Pflege von Demenzkranken mit sich bringt. Sie sind ein klares Votum dafür, dass uns die Leistung pflegender Angehöriger mehr wert sein muss als dies bisher der Fall ist“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

In der ZQP-Studie wird zudem deutlich, dass Demenz als eine schwerwiegende Krankheit wahrgenommen wird. So zeigen knapp 90 Prozent der Befragten Verständnis dafür, dass Menschen mit der Diagnose Demenz völlig verzweifelt sind. Zudem löst das Thema Demenz bei vielen Bundesbürgern große Ängste aus (42 Prozent). Von den Befragten, die bereits einen Demenzkranken gepflegt haben oder dies aktuell tun, gibt die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) an, die Pflege als belastend zu empfinden. Hierbei zeigt sich, dass im Fall demenzieller Erkrankungen emotionale Aspekte eine zentrale Rolle spielen. So empfindet die Mehrheit den Verlust der Persönlichkeit des vertrauten und geliebten Menschen als größte Belastung (61 Prozent). Auch aggressives oder starrsinniges Verhalten wird von knapp der Hälfte der Interviewten als sehr belastend wahrgenommen.

Danach gefragt, welche Maßnahmen pflegende Angehörige am meisten entlasten, nennt die Mehrheit der Personen mit Pflegerfahrung konkrete Angebote der medizinisch-pflegerischen Unterstützung (65 Prozent) oder auch die zeitweise Übernahme der Pflegesituation, z. B. durch eine Verhinderungspflege (65 Prozent). Neben den direkt die Pflegesituation betreffenden Entlastungsangeboten werden auch die Schulung und Beratung für pflegende Angehörige, mehr Entlastung am Arbeitsplatz durch den Arbeitgeber sowie Informationen der Pflegeberatung als wichtig und hilfreich erachtet.

Zentrale Aspekte, die nach Auffassung des ZQP auch im Gesetzgebungsverfahren der aktuellen Pflegereform Berücksichtigung finden sollten: „Die bestehenden Entlastungsangebote können entscheidend zur Qualität in der häuslichen Pflege beitragen. Nur müssen sie vom Gesetzgeber viel stärker als bisher an den Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen ausgerichtet werden“, fordert Suhr.

Im Fall einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung wünscht sich knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) in einem speziell auf die Erfordernisse demenzkranker Menschen eingerichteten Umfeld – dorfähnliche Wohnanlage, Wohngemeinschaft oder geschützter Wohnbereich – versorgt zu werden. Nur insgesamt 40 Prozent der Befragten äußern den Wunsch, im eigenen Zuhause gepflegt zu werden. Gerade einmal 1 Prozent nannte eine stationäre Pflegeeinrichtung als bevorzugten Ort.

Die gesamten Ergebnisse der Befragung finden Sie hier.

Hintergrundinformationen

In Deutschland leben zurzeit 1,4 Millionen Demenzkranke. Prognosen gehen davon aus, dass 2050 drei Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen sind. Eine Demenz zieht nicht nur Gedächtnis- und Verhaltensstörungen mit sich – Demenz bedeutet mehr: Die Betroffenen sind mit Fortschreiten der Erkrankung immer mehr auf die Hilfe anderer angewiesen und benötigen immer mehr Betreuung und Pflege. Ein Großteil dieser Aufgaben wird von Angehörigen geleistet.

Methoden und Vorgehensweise

In dieser Auswertung zugrundeliegenden, anonymen Bevölkerungsumfrage wurden mittels einer repräsentativen Stichprobe Einstellungen aus den Themenbereichen „Demenz“ und „Pflege demenzkranker Personen“ erfragt. Die Stichprobengröße beträgt 2.720 Befragte (N=2.720). Die Befragung wurde in der Zeit vom 2. bis 11. April 2014 durchgeführt. Die Grundgesamtheit bildete die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahre, repräsentiert in einem Panel (forsa.omninet) mit ca. 20.000 Personen. Als Erhebungsmethode kam die In-Home-Befragung per PC bzw. Set-Top-Box am TV-Bildschirm zum Einsatz. Anschließend wurde die Personenstichprobe nach Region, Alter, Geschlecht und Bildung gewichtet. Die statistische Fehlertoleranz der Untersuchung in der Gesamtstichprobe liegt bei +/-2 Prozentpunkten.

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