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Demenz – eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft

Zurzeit leben in Deutschland geschätzt etwa 1,7 Million Menschen mit Demenz – zwei Drittel von ihnen sind 80 Jahre und älter. Demenz ist eine häufige Ursache für Pflegebedürftigkeit. Da die Anzahl alter Menschen in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird, werden auch immer mehr Menschen von Demenz betroffen sein. In vielen Veröffentlichungen wird derzeit für 2050 mit bis zu drei Millionen Menschen mit Demenz gerechnet.

Bis heute sind die meisten Formen von Demenz nicht heilbar. Es gibt aber Möglichkeiten, Symptome zu lindern und das Leben mit Demenz zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel Orientierungsübungen, körperliche Aktivität oder Psychotherapie.

Wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass sich die Wahrscheinlichkeit, Demenz zu bekommen, deutlich senken lässt – auch noch im fortgeschrittenen Alter. Dabei spielen zum Beispiel ein gesunder Lebensstil, Bewegung und ein aktives soziales Leben eine wichtige Rolle. Risikofaktoren für Demenz sind unter anderem Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht. Es gibt Annahmen, dass mehr als ein Drittel aller Demenzfälle vermeidbar wären.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege trägt mit seiner Arbeit dazu bei, dass Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und professionell Pflegenden mehr Wissen sowie mehr praktische Unterstützung bei der Prävention von Demenz und dem Umgang mit Demenz zur Verfügung stehen.

Demenzformen

Was ist Demenz?

Demenz ist der Oberbegriff für ein Symptombild einiger Krankheiten, die die Leistungsfähigkeit des Gehirns und somit geistige, emotionale und soziale Fähigkeiten beeinträchtigen. Bei Demenz wird zum Beispiel das Gedächtnis immer schlechter und oft verändert sich das Verhalten.

Welche Demenzen gibt es?

Die mit Abstand häufigste Form einer Demenz ist die Alzheimer-Krankheit: Sie liegt in etwa 60 bis 70 Prozent aller Fälle vor. Alzheimer-Demenz geht unter anderem einher mit dem kontinuierlichen, massiven Absterben von Nervenzellen im Gehirn.

Die zweithäufigste Form ist die vaskuläre Demenz. Ursache für diese ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Dadurch werden ebenfalls die Nervenzellen geschädigt.

Gerade im hohen Alter kommen auch Mischformen von Alzheimer Demenz und vaskulärer Demenz vor.

Daneben gibt es noch einige weitere Demenzformen. Manche, allerdings eher seltene, Demenzformen werden zum Beispiel durch Erkrankungen der Schilddrüse oder durch Vitaminmangel-Krankheiten ausgelöst. Sie sind teilweise heilbar, wenn die Grunderkrankung gut behandelt wird.

Folgen von Demenz

Wie verläuft eine Alzheimer-Demenz?

Neben dem immer schlechter werdenden Gedächtnis, das alle Demenzformen gemeinsam haben, können die Auswirkungen der verschiedenen Formen von Demenz sehr unterschiedlich sein. Oft verändern sich das Verhalten und die Persönlichkeit.

Durchschnittlich dauert eine Alzheimer-Demenz nach Diagnosestellung etwa sechs Jahre.

Der Verlauf der Alzheimer-Demenz lässt sich grob in drei Stadien einteilen.

  • Leichte Demenz: Im Frühstadium leiden vor allem das Kurzzeitgedächtnis sowie das Gefühl für Zeit und Ort. Namen und Termine werden vergessen, die Sprache wird einfacher, komplexe Aufgaben fallen schwerer.
  • Mittelschwere Demenz: Im mittleren Stadium ist auch das Langzeitgedächtnis eingeschränkt. Vertraute Menschen und Umgebungen werden immer seltener erkannt. Oftmals treten große Unruhe, häufige Stimmungswechsel und manchmal auch aggressives Verhalten auf.
  • Schwere Demenz: Das letzte Stadium geht häufig mit dem Verlust der Sprache einher. Körperliche Gebrechen nehmen verstärkt zu. Menschen mit schwerer Demenz sind vollständig auf Betreuung und Pflege angewiesen.

Wie verändert sich das Verhalten von Menschen mit Demenz?

Den Verlust von gewohnten Fähigkeiten und der eigenen Persönlichkeit wahrzunehmen, ist für Menschen mit Demenz oft sehr schwer. Sie sind häufig stark verunsichert und ziehen sie sich aus Scham oder Frustration zurück. Mit fortschreitender Demenz kann das Verhalten für das Umfeld unverständlich, anstrengend und auch schambesetzt sein.

Bei manchen Menschen mit Demenz kommt es zu sogenanntem herausforderndem Verhalten, etwa starker Unruhe und Aggressivität. Das kann dazu führen, dass sie – vermeintlich zu ihrem eigenen Schutz – in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, zum Beispiel mithilfe von Gurten, Bettgittern, Beruhigungsmitteln oder durch das Absperren von Türen. Allerdings: Diese sogenannten freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) schaden mehr, als dass sie nutzen. Sie bewirken sogar eine erhöhte Unruhe und Aggressivität.

Diagnose einer Demenz

Warum ist eine Diagnose wichtig?

Eine rechtzeitige Untersuchung kann falsche Annahmen über eine vermeintliche Erkrankung ausschließen oder nach der Diagnose eine angemessene Behandlung ermöglichen. Frühe Diagnosen bieten die Chance, mindestens die die Symptome einer Demenz zu lindern und das Fortschreiten zu verzögern. Oftmals werden Demenzen nicht erkannt – Schätzungen zufolge etwa bei der Hälfte der Betroffenen. Viele Menschen mit Demenz erhalten daher keine umfassende Behandlung. Umgekehrt kann nur durch eine Untersuchung eine Demenz wirklich ausgeschlossen werden.

Wie wird eine Demenz festgestellt?

Bei konkreten Anzeichen oder Beschwerden sollte man den Hausarzt um Rat fragen. Bestärkt sich bei den ersten Untersuchungen der Verdacht auf eine Demenz, führt der Weg in der Regel zu einem Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie. Auch spezialisierte Gedächtnissprechstunden in Kliniken bieten eine fundierte Diagnostik. Adressen von Gedächtnissprechstunden, Gedächtnisambulanzen und Memory-Kliniken stellt beispielsweise die Deutsche Alzheimer Gesellschaft auf ihrer Webseite zur Verfügung.

Für die Diagnose werden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme und aktuelle Beschwerden erfragt. Zusätzlich sind Informationen von Angehörigen sehr hilfreich. Dazu zählt zum Beispiel, ob sich das Verhalten des Betroffenen verändert hat. Unter anderem werden auch das Blut und die Leistungsfähigkeit des Gehirns untersucht. Außerdem gilt es, andere Erkrankungen auszuschließen.

Bei Anzeichen einer Demenz ist es wichtig, diese mit einem Arzt zu besprechen und abzuklären. Wenn man jedoch keine Beschwerden oder Symptome hat, ist es nicht notwendig, eine Früherkennung, ein sogenanntes Screening, durchzuführen. Selbsttests können zwar manchmal helfen, einen Arztbesuch vorzubereiten. Sie ersetzen jedoch keinesfalls eine eingehende ärztliche Untersuchung.

Behandlung einer Demenz

Was kann man bei einer Demenz wie Alzheimer tun?

Die Alzheimer-Krankheit sowie die meisten anderen Demenzformen sind derzeit nicht heilbar. Ihr Verlauf kann jedoch beeinflusst und Symptome können gelindert werden. Dafür kommen unterschiedliche Behandlungen mit und ohne Medikamente infrage. Was am besten geeignet ist, sollten Arzt, Patient und Angehörige nach Möglichkeit gemeinsam abwägen.

Gerade Therapien, die nicht auf Medikamente setzen, helfen vielen Betroffenen. Ziel solcher Behandlungsmethoden ist es, die Lebensqualität, das Wohlbefinden und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Beispiele sind:

  • Bewegungsprogramme: Körperliche Aktivierung und Bewegungstherapie können dazu beitragen, alltagspraktische und handwerkliche Fähigkeiten, Beweglichkeit und Balance zu erhalten und zu verbessern.
  • Kognitive Stimulation: Vor allem im frühen und mittleren Stadium der Demenz können die Wahrnehmung, die Lernfähigkeit und das Denkvermögen angeregt und trainiert werden.
  • Psychotherapie: In der Frühphase der Demenz kann Psychotherapie bei der Auseinandersetzung mit der Demenz helfen.

Es gibt derzeit verschiedene Medikamente, die bei Demenzen eingesetzt werden. Gegen aggressives Verhalten, Unruhe und Sinnestäuschungen werden zum Beispiel sogenannte Neuroleptika eingesetzt. Ihr Einsatz ist bei Menschen mit Demenz aber risikoreich, denn es können starke Nebenwirkungen auftreten. Darum ist für jeden Einzelfall besonders genau zu prüfen, ob ein Medikament für den Betroffenen tatsächlich geeignet ist und er es auch gut verträgt. Ein Facharzt sollte die medikamentöse Behandlung kontinuierlich kontrollieren und anpassen.

Unterstützung bei Demenz

Welche Hilfen gibt es für pflegende Angehörige?

Angehörige, Freunde und Nachbarn übernehmen eine zentrale Rolle bei der Pflege und Versorgung von Menschen mit Demenz. Sie stehen dabei vor besonderen Herausforderungen, denn bei einer Demenz leidet nicht nur das Gedächtnis. Auch das Verhalten, die Sprache und die Persönlichkeit verändern sich.

Die Pflege eines Menschen beansprucht körperliche und psychische Energie und kann an die Belastungsgrenze führen. Pflegende Angehörige sind besonders gefährdet, körperlich zu erkranken oder eine Depression zu entwickeln. Daher spielen Unterstützung im sozialen Umfeld und professionelle Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger eine wichtige Rolle.

Eine kompetente, individuelle Beratung kann das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Familien helfen und positiv beeinflussen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz informiert zum Beispiel über gesetzliche Leistungen, Angebote und Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Sie vermittelt auch Kontakt zu regionalen Ansprechpartnern. Vielerorts gibt es Angehörigen- bzw. Selbsthilfegruppen. Menschen mit ähnlichen Erfahrungen können sich hier austauschen und Kontakte knüpfen.

Gesellschaftliche Herausforderungen

Warum ist Aufklärung wichtig?

Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist es oftmals noch schwierig, selbstverständlich und akzeptiert in der Mitte der Gesellschaft weiterzuleben. Ob beim Einkauf, in Bus und Bahn oder im Restaurant – im öffentlichen Raum scheinen die Menschen häufig nicht auf Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen eingestellt zu sein. Viele wissen zum Beispiel nicht, wie sie fremden Menschen mit Demenz helfen können, wenn sie ihnen begegnen. Darum ist es wichtig, über die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz aufzuklären.

Einige Initiativen setzen sich dafür ein: Mit der bundesweiten Aktion „Demenzpartner“ vermittelt beispielsweise die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Basiswissen und schult alle Interessierten im Umgang mit Menschen mit Demenz. Die im Jahr 2012 ins Leben gerufene Allianz für Menschen mit Demenz möchte dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und Angehörigen verbessern. Sie hat eine Agenda von Maßnahmen entwickelt, die jetzt in unterschiedlicher Trägerschaft und Verantwortung umgesetzt werden. Deutschlandweit gibt es über 500 Lokale Allianzen. Auch das Zentrum für Qualität in der Pflege ist Gestaltungspartner der Allianz.

Welche Veränderungen sind noch notwendig?

Im Gesundheitssystem stehen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen häufig vor großen Herausforderungen. Ein Krankenhausaufenthalt stellt für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zum Beispiel eine schwierige Situation dar, weil viele Krankenhäuser nicht auf die Versorgung von Menschen mit Demenz ausgerichtet sind.

Professionelle Unterstützungsangebote müssen noch weiter ausgebaut werden, um pflegende Angehörige in ihrem Alltag besser zu erreichen. Dabei müssen sie die Besonderheiten des Pflegealltags berücksichtigen. Zum Beispiel pflegen immer mehr erwerbstätige Menschen einen Angehörigen. Daher muss auch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter verbessert werden.

Quellen

Alzheimer Europe (2013). The prevalence of dementia in Europe. Link [Stand 25.10.2018]

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (Hrsg.) (2016). Ratgeber Demenz. Berlin.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (2018). Link [Stand 25.10.2018]

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (2018). Mit Demenz im Krankenhaus. Link [Stand 25.10.2018]

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (2014). Was kann ich tun? Tipps und Informationen für Menschen mit beginnender Demenz. Link [Stand 25.10.2018]

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN). S3-Leitlinie „Demenzen“ – Langversion Januar 2016. Link [Stand 25.10.2018]

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Alzheimer-Demenz. Link [Stand 25.10.2018]

Köpke, S., Möhler, R., Abraham, J., Henkel, A., Kupfer, R., Meyer, G. (2015). Leitlinie FEM – Evidenzbasierte Praxisleitlinie Vermeidung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in der beruflichen Altenpflege. Universität zu Lübeck & Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Livingston G., Sommerlad A., & Orgeta V. (2017). Dementia prevention, intervention, and care. Lancet 2017; 390: 2673–734.

Pillemer, K., Burnes, D., Riffin, C. & Lachs, M. S. (2016). Elder Abuse: Global Situation, Risk Factors, and Prevention Strategies, Gerontologist, 56(S2), S194-S205.

Robert Koch-Institut (RKI) (Hrsg.) (2015). Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin.

Wetzstein, M., Rommel, A., & Lange, C. (2015). Pflegende Angehörige – Deutschlands größter Pflegedienst. In Robert-Koch-Institut (Hrsg.), GBE Kompakt 6 (3). Berlin.

Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) (2017). Demenz aus Bevölkerungssicht. Link [Stand 25.10.2018]

ZQP und Demenz

Welche Informationen bietet das ZQP noch?

Das ZQP hat in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Projekte durchgeführt sowie praktische Beiträge zum Thema Demenz erarbeitet, die Sie hier herunterladen können. Weiterhin können Sie den Ratgeber Demenz kostenfrei bestellen.

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