Projekte

Migration und Pflege

Derzeit sind etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuchs. Etwa 10 Prozent der Pflegebedürftigen haben einen Migrationshintergrund. Zukünftig wird sowohl die Zahl der pflegebedürftigen Menschen deutlich steigen als auch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an dieser Gruppe.

Diese Entwicklung beinhaltet verschiedene Herausforderungen für die pflegerische Versorgung. Eine davon ist, die Pflege so zu gestalten, dass sie auch den sozialen, kulturellen, religiösen und sprachlichen Bedürfnissen von ganz unterschiedlichen Migrantinnen und Migranten Rechnung trägt. Um entsprechend diverse und sogenannte migrationssensible Angebote wirksam gestalten zu können, ist die Datenbasis jedoch teilweise erheblich lückenhaft.

Projekte zu Migration und Pflege

Das ZQP hat daher gemeinsam mit dem Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer Reihe von Projekten die Pflegevorstellungen und -situation von Migrantinnen und Migranten sowie die Pflegeangebote für sie untersucht. Im Mittelpunkt standen hierbei türkeistämmige Migrantinnen und Migranten – die zahlenmäßig größte Migrantenpopulation in Deutschland.

Studie Pflegeangebote für Migrantinnen und Migranten – 2015

Im Mittelpunkt dieser Studie standen ambulante Pflegeleistungserbringer in Berlin und deren Leistungsprofile. Ziel war es, die zuvor bereits untersuchte Nutzerperspektive um die Perspektive der Leistungserbringer zu ergänzen. Es wurde analysiert, inwieweit kultursensible Angebote im ambulanten Pflegesektor in Berlin bereitgestellt werden und bestehende kultursensible Angebote dem Bedarf und den Erwartungen der älteren Migrantinnen und Migranten entsprechen.

Ausgewählte Ergebnisse:

Insgesamt wurden in der Studie 211 ambulante Pflegedienste befragt. Eine deutliche Mehrheit der befragten Pflegedienste hat nach eigener Einschätzung zumindest teilweise sein Versorgungsangebot auf die spezifischen Belange von Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund ausgerichtet. Bei einem Großteil kann auf kulturspezifische Lebensgewohnheiten (etwa Ernährungs-, Hygiene- und religiöse Gewohnheiten) eingegangen werden. Angebotslücken betreffen vor allem die Verständigung in der Muttersprache.

Ergebnisberichte:

Kurzbericht: Pflegeangebote für Migrantinnen und Migranten

Abschlussbericht: Pflegeangebote für Migrantinnen und Migranten

Zitation des Berichts:

Sonntag, P. T., Krobisch, V., Ruf, V., Schenk, L. (2015). Ambulante pflegerische Versorgung älterer (türkeistämmiger) Migrantinnen und Migranten in Berlin. Eine Online-Befragung von Pflegediensten. Endbericht für das ZQP. Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.). Online: https://www.zqp.de/migration-pflege

Studie Pflegesituation von Migrantinnen und Migranten – 2014

In diesem Projekt wurde eine Pilotstudie in Berlin durchgeführt, in deren Mittelpunkt ältere türkeistämmige Migrantinnen und Migranten, die im Zuge der Gastarbeiteranwerbung oder z. B. durch Familiennachzug nach Deutschland kamen, standen. Anhand einer standardisierten Befragung wurden im Rahmen dieser Studie ihre Lebenssituation, pflegerische Versorgung und Pflegeeinstellungen untersucht.

Ausgewählte Ergebnisse:

Insgesamt wurden 194 türkeistämmige Migrantinnen und Migranten im Alter zwischen 59 und 88 Jahren in die Studie eingeschlossen. Mehr als drei Viertel der Befragten mit Unterstützungsbedarf im Alltag erhalten aus ihrem sozialen Umfeld Hilfe. Institutionelle Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten bleiben vielfach ungenutzt. Der Großteil der Befragten fühlt sich nicht gut zum Thema Pflege informiert. Grundsätzlich scheint aber eine Offenheit für professionelle Pflege zu bestehen: Knapp drei Viertel der Befragten kann sich eine ambulante Versorgung vorstellen.

Ergebnisberichte:

Kurzbericht: Pflegesituation von Migrantinnen und Migranten

Abschlussbericht: Pflegesituation von Migrantinnen und Migranten

Zitation des Berichts:

Krobisch, V., Ikiz, D., Schenk, L. (2014). Pflegesituation von türkeistämmigen älteren Migranten und Migrantinnen in Berlin. Endbericht für das ZQP. Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.). Online: https://www.zqp.de/migration-pflege

Studie Pflegevorstellungen von Migrantinnen und Migranten – 2011

In diesem Projekt galt es, Hinweise über die Sichtweisen von Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen. Daher wurde eine Studie durchgeführt, die typische Altersbilder und Pflegevorstellungen von Personen mit Migrationshintergrund untersucht hat. Bestandteil der Studie waren qualitative Leitfadeninterviews mit Personen aus der Türkei, russlanddeutschen Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern und jüdischen Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Ausgewählte Ergebnisse:

Insgesamt wurden 43 Personen interviewt. In der Stichprobe wurden Personen berücksichtigt, die zwei verschiedenen Altersgruppen angehören: Zum einen Personen über 65 Jahre (“Erste Generation“) und Personen zwischen 45 und 55 Jahren („Zweite Generation“). Die Pflegeerwartungen und -einstellungen der Befragten variieren zwischen den Herkunftsländern und Generationen. So lehnt etwa die Zweite Generation der Migrantinnen und Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion eine stationäre Versorgung ihrer Eltern kategorisch ab. Die jüngere Generation türkischer Herkunft ist dem gegenüber aufgeschlossener. Die Akzeptanz professioneller Pflegedienste in den Ersten Generationen hängt unter anderem davon ab, ob diese muttersprachlich und kultursensibel ausgerichtet sind.

Ergebnisberichte:

Kurzbericht: Pflegevorstellungen von Migrantinnen und Migranten

Abschlussbericht: Pflegevorstellungen von Migrantinnen und Migranten

Zitation des Berichts:

Aronson, P., Gül, K., Meyer, R., Schenk, L. (2011). Rekonstruktion der Vorstellungen vom Altern und von Einstellungen zur (stationären) Pflege bei Personen mit Migrationshintergrund. Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.). Online: https://www.zqp.de/migration-pflege

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