Projekt

Sicherheitskultur in ambulanten Pflege-Settings, “PriO-a”

Pflegebedürftige Menschen sind im Rahmen der pflegerischen Versorgung zum Teil erheblichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, z. B. bei der Medikation, Wundversorgung, Ernährung oder Hygiene; auch Gewaltvorkommnisse stellen ein bedeutsames Gesundheitsrisiko für sie dar. Zur Prävention bzw. Verringerung solcher Risiken trägt die Sicherheitskultur in der professionellen Pflege bei. Damit sind Eigenschaften, Haltungen und Kompetenzen von Organisationen und Personen gemeint, die dafür sorgen, dass der Sicherheit der zu versorgenden Menschen priorisiert hohe Aufmerksamkeit gewidmet wird. Sicherheitskultur stellt somit eine Grundvoraussetzung des Qualitäts- und Risikomanagements dar. Aspekte davon sind eine offene, konstruktive Kommunikation über kritische Ereignisse und der Einsatz von Instrumenten, die Reflexion und Lerneffekte fördern, wie digitale Berichts- und Lernsysteme (CIRS). Sicherheitskultur ist jedoch in der Pflege in Deutschland kaum etabliert.

Ziel des Projekts “Prävention in Lebenswelten durch Sicherheitskultur in Organisationen des ambulanten Pflege-Settings – PriO-a” ist es, zunächst den Wissensstand zum Thema Sicherheitskultur und deren Akzeptanz in der ambulanten Pflegepraxis zu fördern. Darüber hinaus ist ein Ziel, die Entwicklung von Sicherheitskultur, das heißt entsprechende Strukturen und Prozesse sowie Einstellungen, Wissen und Kompetenzen der Mitarbeitenden, in den Organisationen zu unterstützen. In diesem Rahmen wird ein Multikomponenten-Programm mit praktisch nutzbaren Materialien erstellt. Zudem ist vorgesehen, ein zentrales, frei zugängliches digitales Berichts- und Lernsystem, das vom ZQP moderiert wird, zu entwickeln. Letztlich soll das Projekt dazu beitragen, gesundheitliche Risiken pflegebedürftiger Menschen im Rahmen der professionellen Pflege durch organisationsbezogene Sicherheitskultur zu reduzieren. Die Etablierung von Sicherheitskultur kann zudem zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld für Pflegende beitragen.

Das Projekt schließt direkt an Vorarbeiten des ZQP an. Das wissenschaftliche Vorgehen orientiert sich am state of the art zur Entwicklung komplexer Interventionsprogramme in der Prävention. Die Implementierung wird vom ZQP und dessen Partnern in 12 bis 15 Pflegediensten bundesweit begleitet und folgt dem Modell des ‘Gesundheitsförderungsprozesses‘, das im GKV-Leitfaden Prävention empfohlen wird. Kernaspekte dabei sind, die Zielgruppen einzubeziehen (Partizipation), sie zu stärkerer Eigenverantwortung zu befähigen (Empowerment) sowie langfristige Wirksamkeit zu erzielen (Nachhaltigkeit). Flankierend sind öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zur Vermittlung des Themas Sicherheitskultur in der Pflege vorgesehen. Eine Einbindung von relevanten Akteuren wird durch enge Zusammenarbeit in Form einer Steuerungsgruppe sichergestellt. Zudem wird eine Koordinierungsgruppe berufen, die eine strukturierte Implementierung der Maßnahmen in die Praxis lenkt.

Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren. Die Komponenten werden voraussichtlich Anfang 2026 frei zugänglich sein.

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