Analyse

Sicherheitskultur in der ambulanten Pflege

Auf dieser Seite lesen Sie eine Zusammenfassung der Analyse "Sicherheitskultur in der ambulanten Pflege". Die vollständige Analyse können Sie kostenfrei herunterladen.

In Deutschland werden drei Viertel der über drei Millionen pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt. Dazu tragen in vielen Fällen die deutschlandweit etwa 14.000 ambulanten Dienste mit über 390.000 Mitarbeitenden bei. Die Aufgaben ambulanter Pflegedienste umfassen dabei unter anderem körperbezogene Pflegemaßnahmen wie Körperpflege und Ernährung, pflegerische Betreuungsmaßnahmen, z. B. Hilfe bei der Orientierung, aber auch häusliche Krankenpflege als Leistung der Krankenversicherung, zum Beispiel Medikamentengabe, Verbandswechsel und Injektionen.

Die Sicherheit von Klienten in der ambulanten Pflege ist ein wichtiger Aspekt der Versorgung. Die Themen Sicherheit und Sicherheitskultur stellen Pflegedienste praktisch aber vor große Herausforderungen. In nahezu allen pflegerischen Bereichen kann es zu unerwünschten Ereignissen und Fehlern kommen.

  • Ein unerwünschtes Ereignis ist ein für die Gesundheit von Patienten oder Pflegebedürftigen schädliches Vorkommnis, das im Rahmen der professionellen Behandlung oder Pflege auftritt und nicht auf die zugrunde liegende Erkrankung zurückzuführen ist. So ein Ereignis kann vermeidbar oder aber auch unvermeidbar sein.
  • Unter einem Fehler hingegen wird eine fachlich falsche Handlung oder das Unterlassen einer aus fachlicher Sicht notwendigen Handlung verstanden. Ob daraus ein Schaden für den Patienten oder die pflegebedürftige Person entsteht, ist dabei irrelevant.

Um die Patientensicherheit zu gewährleisten und zu verbessern, ist es hoch bedeutsam, (beinahe) Fehler zu dokumentieren, zu analysieren und daraus zu lernen. Entscheidend dabei ist nicht nur, dass unerwünschte Ereignisse und Fehler überhaupt dokumentiert werden, sondern auch wie dies erfolgt.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist in Deutschland zu Sicherheitskultur und zum Sicherheitsmanagement – zum Beispiel zum Umgang mit unerwünschten Ereignissen und Fehlern – in ambulanten Pflegediensten noch zu wenig bekannt.

Befragung in ambulanten Pflegediensten

Um neue Hinweise zu Sicherheitskultur und zum Sicherheitsmanagement in ambulanten Pflegediensten in Deutschland zu gewinnen, hat das ZQP eine repräsentative Befragung in solchen Diensten durchgeführt. Dazu wurden Pflegedienstleitungen, stellvertretende Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragte in 535 Diensten in telefonischen Interviews (CATI) befragt.

Die Befragung wurde vor der COVID-19-Pandemie durchgeführt. In der aktuellen Krise können sich Probleme im Bereich der Patientensicherheit in den ambulanten Diensten zum Beispiel verlagern oder verschärfen. Dies sollte im Rahmen zukünftiger Untersuchungen detaillierter geklärt werden.

Sicherheitskultur in ambulanten Pflegediensten

Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist, dass in der ambulanten Pflegepraxis bislang offenbar noch selten die Chancen der Digitalisierung genutzt werden, um aus unerwünschten Ereignissen und Pflegefehlern zu lernen und damit zukünftigen Problemen vorzubeugen.

Sicherheitskultur in der ambulanten Pflege - 2020

Wie werden Fehler dokumentiert? Befragungsergebnisse der ZQP-Studie

Zentrale Ergebnisse

Welche Tätigkeiten werden oft als Quelle für Pflegefehler genannt?

Die Studienteilnehmer geben drei Fehlerarten am häufigsten an, die in den sechs Monaten vor der Befragung bei dem Dienst mindestens einmal aufgetreten waren:

  • Fehler bei der Dokumentation (65 Prozent),
  • bei der Medikamentengabe (34 Prozent) und
  • bei der Händehygiene (31 Prozent).

Welche Faktoren erschweren sichere Pflege unter anderem?

  • 64 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Gewährleistung der Sicherheit durch Zeitmangel bei der Pflege erschwert wird.
  • 43 Prozent nennen diesbezüglich mangelndes Wissen der Pflegenden und 38 Prozent mangelnde Bereitschaft, Fehler zuzugeben.

Wie steht es um die Personalausstattung – einem relevanten Faktor für Sicherheit in der Pflege?

  • Gut die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gibt an, dass es in ihrem Dienst Stellen für Pflegefachpersonen gibt, die seit mindestens drei Monaten unbesetzt sind.
  • 80 Prozent der Dienste haben innerhalb der letzten drei Monate Anfragen abgelehnt, weil sie die Pflege nicht hätten sicherstellen können.
  • 13 Prozent mussten aus diesem Grund sogar laufende Pflegeverträge kündigen.

Wo wird Fortbildungsbedarf gesehen?

  • 61 Prozent der Befragten meinen, annähernd alle Mitarbeitenden (100 bis 75 Prozent) sollten Schulungen bzw. Fortbildungen zum Thema Hygiene absolvieren.
  • Je 51 Prozent sagen dies für die Themen Medikation bzw. Gewaltprävention in der Pflege.
  • Etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Befragten sind bei jedem genannten Thema der Ansicht, mindestens jeder zweite Mitarbeitende solle an einer Schulung/Fortbildung teilnehmen.

Wie werden Fehler dokumentiert?

  • 32 Prozent der Dienste setzen hierfür keine digitale Technik ein.
  • Nur neun Prozent dokumentieren solche Ereignisse ausschließlich digital.
  • 40 Prozent der Befragten glauben an eine hohe Bereitschaft ihrer Mitarbeitenden, computergestützte Fehler‐Meldesysteme (z. B. Critical Incident Reporting System, CIRS) zu nutzen.
  • Tatsächlich werden nur in vier Prozent der befragten Dienste solche Reporting-Systeme eingesetzt.

Mehr Informationen

Das ZQP hat gemeinsam mit Experten aus Praxis, Wissenschaft und Politik eine Perspektivenwerkstatt zur Patientensicherheit in der ambulanten Pflege durchgeführt und sieben zentrale Handlungsfelder identifiziert. Die Ergebnisse können Sie hier nachlesen: Patientensicherheit in der ambulanten Pflege

Stand: 27. Juni 2020

Autoren in alphabetischer Reihenfolge:

Simon Eggert, ZQP
Daniela Sulmann, ZQP
Dr. Christian Teubner, ZQP

Zur Kontaktaufnahme schreiben Sie gerne eine E-Mail an: simon.eggert@zqp.de

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